FASANENSTRASSE 68
10719 BERLIN
Galerie Kornfeld
FASANENSTRASSE 26, 10719 BERLIN
Story as a Woven Carpet
Andro Eradze, Levan Chelidze, Salome Chigilashvili, Tezi Gabunia, Nino Kvrivishvili, Tamar Nadiradze, Giorgi Qochiashvili. Curated by Irena Popiashvili
Opening: Friday, 6 September, 6–9pm
Duration: 6 September – 16 November 2019
https://www.68projects.com/text/story-as-a-woven-carpet
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68projects by GALERIEKORNFELD
präsentiert


Story as a Woven Carpet  

Andro Eradze, Levan Chelidze, Salome Chigilashvili,

Tezi Gabunia, Nino Kvrivishvili, Tamar Nadiradze, Giorgi Qochiashvili

Kuratiert von Irena Popiashvili

68projects freut sich, mit Story As A Woven Carpet eine Gruppenausstellung von sieben im georgischen Tiflis lebenden und arbeitenden Künstler*innen zu präsentieren. Die Ausstellung besteht aus kulturellen Fragmenten und widmet sich neuen Narrativen, die in den Werken der jungen Künstler*innen konstruiert werden. Georgien wird in der Geschichte schon immer exotisiert, von den Griechen der Antike bis hin zu Reiseberichten aus dem 20. Jahrhundert. Was andere über das Land gesagt haben und meinen, wurde in georgischen Lehrbüchern gesammelt und über Generationen gelehrt. Die an dieser Ausstellung teilnehmenden Künstler*innen erzählen Geschichten aus ihrer eigenen Perspektive. Sie vertreten die Generation, die vielleicht mit dem Prozess begonnen hat, ihre eigenen Geschichten zu erfinden und zu erzählen, ähnlich wie in Demna Gvaalias Ausstellung SS19 in Paris. 

Diese georgischen Künstler*innen des 21. Jahrhunderts finden ihre kulturellen und visuellen Referenzen im Internet und auf dem Computerbildschirm. Sie greifen auf Information zu, ohne auf physische Grenzen zu achten, und entdecken neue Arten, Dinge zu sehen und zu erschaffen. Für sie steht alles gleichzeitig zur Verfügung, auf dem Bildschirm, ganz ohne die Zeitevolution, wie sie in der Kunstgeschichte erklärt wird, und sie folgen keinen traditionellen Kanons von gut und schlecht. Allerdings lassen sie sich von ihrer direkten Umgebung inspirieren und ihre Arbeit ist weniger abgekoppelt von der örtlichen Tradition, als dies auf den ersten Blick scheint. 

Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf Nino Kvrivishvilis gleichnamige Arbeit in unserer Ausstellung. Die Künstlerin fertigt handgewebte Wandteppiche aus Wolle an, die großformatigen Gemälden ähneln. Vor der Einführung der Textilindustrie wurden in fast allen Regionen Georgiens Teppiche gewebt. Die Geschichte der Wolle, des Materials, das sie verwendete, um die Arbeit zu schaffen, ist Zeugnis einer Geschichte aus dem echten Leben: Nino Kvrivishvili erwarb ein Stück eines alten Teppichs von einem tuschischen Schafhirten, der es verkaufte, um einen Nabidi kaufen zu können, eine Art Winterfilzmantel, die Schafhirten im Winter in den Bergen tragen. Außerdem kaufte sie dem Schafhirten Wolle ab, mit der sie die Geschichte mit abstrakten Elementen in ihren Teppich einwebte. Der handgewebte Teppich mit schwarzen abstrakten Details sowie dem Namen der Künstlerin und dem Datum seiner Fertigstellung erzählt davon, wie er geschaffen wurde. 

Tezi Gabunias Werk Breaking News: Flooding of the Louvre sind Fake News, die wahr sein könnten. Naturkatastrophen, die immer stärker mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht werden, haben den Louvre erreicht, eine Reaktion auf die Überschwemmungen in Paris 2018.
Der Künstler verwendet das Louvre-Modell aus seiner früheren Arbeit Put Your Head into Gallery, wo die Betrachter*innen ihren Kopf in die Modelle berühmter Museen steckten, die der Künstler in seinem Atelier nachgebaut hatte. 
Indem er das Modell flutet, das auch sein eigenes Kunstwerk ist, setzt sich Gabunia mit dem Thema kultureller Überreste und der Frage des Recyclings auseinander. Das Fluten des Louvre erzählt von einer Nachrichtenkultur und unserer fluktuierenden Wahrnehmung von Katastrophen, von denen wir durch die Medien erfahren. Die Arbeit wird von einem Video mit dem Titel Breaking News begleitet. Das Video zeigt, wie das Wasser langsam in die Räume des Louvre fließt, so dass die Betrachter*innen zusehen können, wie das Innere des Museums nach und nach zerstört wird. Die Wirkung ist überzeugend, bedrohlich und fake. 

Tamar Nadiradze lässt sich ständig von ihrer Umgebung und den Menschen darin inspirieren, obwohl sie, wie sie kürzlich in einem Interview behauptet hat, vor allem sich selbst als ihre wichtigste Inspirationsquelle betrachtet. 
Die Arbeiten der Künstlerin basieren auf Geschichten aus dem wahren Leben, die in märchenhafte Aquarellzeichnungen und Collagen verwandelt werden. Sie lassen sich mit Bilderbuch- beziehungsweise Märchenillustrationen vergleichen. Tamar Nadiradze setzt sich mit Themen des urbanen Lebens, gesellschaftlicher Verhaltensweisen, Ökologie und Menschenrechten auseinander, aber indem diese durch das Prisma ihrer Vision dargestellt werden, sind die Ergebnisse merkwürdig, überraschend und ein wenig verstörend.   

Levan Chelidze malt eine eklektische Mischung von Portraits – sowohl von Menschen als auch von Tieren –, Stillleben und Landschaften der georgischen Region Racha. In einem Zeitalter, in dem fast jeder eine Kamera in seinem Smartphone hat und viele Künstler*innen auf Fotografien als Grundlage von Portraits zurückgreifen, verfolgt Chelidze einen traditionellen Ansatz: Er verlangt, dass die Portraitierten für ihn posieren. Es gelingt ihm meisterhaft, ihre Gesichtszüge einzufangen. Aber er spielt auch mit Wahrnehmungen, indem er ihre „echte“ Form, wie er sie sieht, vor einem imaginären Hintergrund platziert. Was die Portraitierten in seinen Bildern tragen – oder manchmal auch nicht tragen – entstammt ebenfalls Chelidzes Fantasie und nicht unbedingt der Wirklichkeit. Die Figuren in seinen Gemälden sind meist schön, sexy und nobel. Er malt Menschen, die er bewundert. 
Chelidzes Portraits können unfertig wirken, und manchmal sind sie das auch. Wenn  jemand nicht zu einer zweiten Sitzung erscheint, dann war es das – er beendet das Portrait und malt stattdessen den Hintergrund. Das gibt seinen Arbeiten eine entwaffnende Ehrlichkeit, sie werden emotional freier und weniger formell. 

Giorgi  Qochiashvilis imaginäre Landschaften und Interieurs sind häufig von dunkelhäutigen Menschen bevölkert. Bald nach seiner Geburt in Gagra, Abchasien, einer abtrünnigen Region in Georgien, floh Qochiashvilis Familie vor dem Krieg in der Region. Seine tropischen Landschaften basieren auf Familienfotos und der nostalgischen Sehnsucht seines Großvaters nach der verlorenen Heimat in Gagra. Als früherer Rugbyspieler ist Qochiashvili nach Südafrika gereist und hat die dortige Natur und die Menschen in Südafrika mit seiner Heimat Abchasien identifiziert, die er nie besuchen durfte. Das Ergebnis ist die surreale Verträumtheit und Farbgebung seiner Malerei. 

Unerwartete Kombinationen aus Beton, Bodenfliesen, Strickfäden und Textilien führen zu dramatischen Kontrasten zwischen den Bildern und den Materialien, die Salome Chigilashvili zu deren Herstellung verwendet. Die Künstlerin webt buchstäblich Muster traditioneller kaukasischer Teppiche in Bodendielen ein. Ihre in der Ausstellung gezeigte Arbeit Untitled (2019) ist ein mit weißem Faden besticktes braunes Papier. Saul Anton schreibt über Chigilashvili, dass „ihre Technik eine zurückhaltende Moderne des armen Menschen im 21. Jahrhundert erschafft. ... Ihre Arbeit ist bezeichnend für Georgiens aktuelle Situation, als ein Land voller junger Leute, die in die Zukunft blicken, aber eine uralte Geschichte und Kultur haben, der sie nicht entfliehen können“. 

Ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind Andro Eradzes Fotografien aus der Serie Fireworks, die eine bunte Explosion in einem Nachthimmel zeigt. Die Fotografien befinden sich in Rahmen aus Holz, deren „schützende“ Verglasung zerstört ist, als würde das Feuerwerk tatsächlich auf dem Bild explodieren. Indem er das Glas beschädigt, verwandelt Andro Eradze seine Fotos von bloßen Bildern in Wandskulpturen oder Objekte mit faszinierender Wirkung.

Wenn Sie Fragen haben oder weitere Informationen benötigen, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Druckfähige Abbildungen sende wir Ihnen gerne zu.

Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Tilman Treusch

Kontakt:
Dr. Tilman Treusch
treusch@galeriekornfeld.com
Tel: +49 30 889 288 76 | Fax +49 30 889 225 899
www.68projects.com | http://www.facebook.com/68projects

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68projects by GALERIEKORNFELD
presents

Story as a Woven Carpet  

Andro Eradze, Levan Chelidze, Salome Chigilashvili,
Tezi Gabunia, Nino Kvrivishvili, Tamar Nadiradze, Giorgi Qochiashvili

Curated by Irena Popiashvili

68projects is pleased to present a group exhibition of seven artists currently living and working in Tbilisi, Georgia. The exhibition is comprised of cultural fragments and addresses new narratives constructed in the young artists’ work. Georgia has always been somewhat exoticised throughout the history starting from Ancient Greeks and up to the 20th century travelers’ accounts.  What others have said and opined about the country is collected in Georgian textbooks and was taught to generations. The artists presented in this exhibition are telling stories from their own perspective.  They represent the generation that may have started the process of creating and telling their own stories, similar to Demna Gvasalia’s SS19 Paris show.

These 21st century Georgian artists choose their cultural and visual references via Internet, via computer screen, accessing the information beyond physical borders and discovering other ways of seeing and doing things. For them, everything is available at once, on the screen, with no time evolution as explained in art history, neither following traditional canons of good and bad.
Although, they’re drawing inspiration from their immediate environment and the work is less disconnected from the local tradition as it seems at a first glance.

The title of the exhibition refers to Nino Kvrivishvili’s eponymous piece from the exhibition.  Nino Kvrivishvili makes handwoven wool tapestries that resemble large-scale paintings. Before the advent of textile industry rugs have been woven in almost all regions of Georgia. The story behind the wool, the material, she used to make the piece is a testament to the real life story: the artist bought a piece of an old rug from a Tushetian shepherd who was selling it to buy Nabadi (kind of felt winter coat shepherds wear in the mountains). In return, Nino Kvrivishvili bought the wool from the shepherd and weaved the story with abstract elements in her carpet. The hand woven tapestry with black carpet abstract details as well as artists’ name and date of its completion tell the history of its creation.

Tezi Gabunia’s Breaking News: Flooding of the Louvre is fake news that could be true.  Natural disaster increasingly linked to the climate change has arrived to the museum of Louvre, which responds to the flooding of Paris in 2018.
The artist uses the Louvre model from his previous series of work, Put Your Head into Gallery, where the viewers placed their heads in the models of famous museum galleries that the artist has re-constructed in his studio.
By flooding the model that is his own artwork Gabunia addresses the issue of cultural leftover and recycling. The flooding of the Louvre Museum speaks about news culture and our fluctuating perception of disasters as seen through media. The piece is accompanied with a video titled Breaking News. The video shows how the water slowly flows into the room of the Louvre, letting the viewer gradually watch the destruction of its interior. The effect is convincing, threatening and fake.

Tamar Nadiradze constantly draws inspiration from her environment and people, though, above all else, as the artist claimed in a recent interview she considers herself the main source of inspiration.
The artist’s works are based on real life stories that are transformed into fairy-tale-like watercolor drawings and collages. They can be compared to children’s picture books and/or folktale illustrations. Tamar Nadiradze addresses the issues of urban life, pop culture, social behavior, ecology and human rights but as she puts them through the prism of her vision the result is curious, surprising and a bit disturbing.

Levan Chelidze paints an eclectic mix of portraits - of both people and animals – still lives, and landscapes of the Georgian region of Racha.
In the era when almost everyone has a camera in his/her phone, and many artists use photos as the basis for their portraits, Chelidze still takes a traditional approach and requires his subjects to sit and pose. He is a master at capturing their essential features. But he also plays with perceptions, by setting their ‘real’ form, as he sees it, against imaginary backgrounds. What his subjects wear in his paintings - or sometimes don’t wear - similarly come from Chelidze’s fantasies, and not necessarily from reality. The subjects of his paintings are typically beautiful, sexy and noble. He paints people that he admires.
Chelidze’s portraits can seem unfinished, and sometimes that is the reality. If one of his subjects is unable to return for another sitting, that’s it - he finishes the portrait at that point and paints the background instead. It gives his works a disarming honesty, making them more emotionally free, and less formal.

Giorgi Qochiashvili’s imaginary landscapes and interiors are often inhabited with dark skinned people. Born in Gagra, Abkhazia, breakaway region of Georgia, Qochiashvili’s family fled the war in the region soon after his birth. His tropical landscapes are based on his family’s photos and his grandfather’s nostalgia for the lost home in Gagra. As a former rugby player Qochiashvili has traveled to South Africa and has identified local nature and people of South Africa to his native Abkhazia, which he was never allowed to visit. The result is the surreal dreaminess and coloring of his paintings. 

Unexpected combinations of concrete, wood flooring tiles, knitting threads and textiles result in dramatic contrasts between the image and the materials Salome Chigilashvili uses to make them. The artist quite literally weaves patterns and designs of traditional South Caucasian carpets into floorboards. Her Untitled, (2019) presented in the exhibition is an embroidered brown paper with white thread. Saul Anton wrote about Chigilashvili that “her use of the technique creates an understated, 21st century poor man’s modernism… Her work is indicative of Georgia’s present situation, as a country full of young people looking to the future, but possessing an ancient history and culture they cannot escape.”

The exhibition also includes Andro Eradze’s photographs from Fireworks series that depict a colorful explosion in a night sky. Photographs are framed in wood and their “protecting” glass is broken, as if the noisy fireworks are erupting from the image. By shuddering the glass Andro Eradze transforms his photos from mere image to wall sculptures or art objects and the effect is mesmerizing.

Representatives from 68projects/GALERIE KORNFELD BERLIN are available if you have any questions or would like any further information. We’re also glad to send printable images at your request.

With warm regards,
Shahane Hakobyan

Contact:
Shahane Hakobyan
hakobyan@galeriekornfeld.com
Tel: +49 30 889 288 76 | Fax +49 30 889 225 899
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